53. Spielzeit | 2019/2020
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Grußwort des Theaterleiters
Christian Federolf-Kreppel
am 15. Oktober 2019
Liebe Theater- und Konzertfreunde!

Der Herbst hat traurig begonnen. Denn am 1. Oktober ist Rüdiger R. Nenzel verstorben, der das Theater von 1991 bis Januar 2006 geleitet hat. Ich kannte ihn seit dreißig Jahren – schon in seiner Zeit als Direktor des Theaters Remscheid. Rüdiger war ein Theatermann par Excellence, für den »sein Theater« alles war. Die Sparten Musiktheater und das Ballett waren ihm dabei ein besonderes Anliegen. Die Ensembles kamen aus Krakau, Bratislava, Riga, Kiew, Perm oder Minsk. Eine besondere Beziehung verband ihn auch mit dem St. Petersburger Ballett-Theater Boris Eifman. Alle Europa-Tourneen dieser erstklassigen Weltklasse-Compagnie konnten in seiner Amtszeit und danach in Schweinfurt präsentiert werden. Theatergeschichte wurde mit dem Verdi-Schiller-Zyklus des Anhaltisches Theaters Dessau in der Regie von Johannes Felsenstein, bestehend aus »Die Räuber«, »Johanna d’Arc« »Louise Miller« und »Don Karlos«, geschrieben. Der Zyklus wurde nur in Schweinfurt an vier Abenden gezeigt. Für alle Beteiligten – Künstler, Bühnenarbeiter und Techniker – bedeuteten zwölf Stunden Verdi in vier Tagen eine arbeitstechnische Meisterleistung und eine logistische Herausforderung. Rüdiger Nenzel war es auch, der den Ausnahmepianisten Grigory Sokolov zum ersten Mal gewinnen konnte. Außerdem fiel die Teilsanierung des Hauses 2001 und 2002 in seine Amtszeit, eine besondere Herausforderung, die er bestens meisterte. Mit der literarisch-musikalischen Matinee »Liebesspiele« – Verführer und Verführte in »Die Hochzeit des Figaro«, »Don Giovanni« und »Così fan tutte« (Mozart-Da-Ponte-Zyklus) verabschiedete sich der Theaterleiter am 18. Dezember 2005 persönlich von seinem Publikum. »Seinem« Theater blieb er als regelmäßiger Besucher bis in den Juni dieses Jahres treu. Die Begegnungen mit ihm waren stets herzlich, inhaltsstark und tiefsinnig. Das Theater wird ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren.

Der Herbst brachte noch eine weitere Hiobsbotschaft. Ende September erfuhr ich, dass die geplante chinesische Oper »Monkey King«, angesetzt für den 22. bis 25. Oktober, nicht stattfinden kann. Hier guten Ersatz zu finden, knapp vier Wochen vor Termin, gleicht dem Versuch eine Nadel im Heuhaufen zu finden. Nach dutzenden Telefonaten ist es gelungen! Ich freue mich sehr, dass wir zu den gleichen Terminen die wunderbare komische Oper »Der Barbier von Sevilla« von Gioacchino Rossini präsentieren können. Aufgeführt wird dieses kurzweilige Meisterwerk in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln von der renommierten Kammeroper Prag. Dieses Ensemble mit seiner { nahezu 50-jährigen Tradition steht seit 2002 unter der künstlerischen Leitung des Chefregisseurs der Staatsoper Prag, Martin Otava und gehört zu den angesehensten Ensembles der Tschechischen Republik. Die Solisten der Kammeroper Prag sind führende tschechische und slowakische Sänger, aber auch Gäste aus USA, Kanada, Deutschland, Japan und Russland. Alle bereits für »Monkey King« gekauften Karten im Freiverkauf behalten Ihre Gültigkeit oder können an der Theaterkasse zurückgegeben werden. Tausend Dank für die Unterstützung in der Sache an Klaus Tschernig, der trotz eines bedauerlichen Todesfalls in der Familie, uns große Unterstützung zuteilwerden hat lassen.

Die nun beginnende dunkle Zeit des Jahres lockt die Menschen verstärkt in unser Theater und so haben wir das Füllhorn für die Monate bis Januar prall gefüllt. Traditionell gibt es »Weihnachtliches« wie »Der kleine Lord«, »Motown goes Christmas«, die »Altrussische Weihnacht« und natürlich wie jedes Jahr das Weihnachtsstück vom Theater Schloss Maßbach, diesmal Michael Endes wunderbare Zauberposse mit dem unaussprechbaren Titel »Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch«. Romantik pur bringt der Musicalhit »Ein Amerikaner in Paris« mit der wunderbaren Musik von George und Ira Gershwin. Das Wiedersehen mit dem Spellbound Contemporary Ballet aus Rom bringt eine Ko-Produktion mit den Théâtres de la Ville de Luxemburg, die sich Vivaldis Leben und Musik widmet. Die Uraufführung kürzlich wurde euphorisch gefeiert.

Der Jahreswechsel bringt zwei großartige Programmpunkte. Mit den Bamberger Symphonikern – Bayerische Staatsphilharmonie und Beethovens 9. Symphonie läuten wir am 30. Dezember das Beethoven-Jahr 2020 ein, bei dem die Klassikwelt Beethovens 250. Geburtstag gedenken wird. Still und höchst tiefsinnig wie humoresk geht es am 31. Dezember zu, wenn Wolfram von Bodecker und Alexander Neander, die Meister der wortlosen Komik helfen werden, das alte Jahr zu verabschieden. 2020 beginnen wir – wie in den Jahren zuvor – mit einer Benefiz-Veranstaltung des LIONS-Clubs Schweinfurt. Harmonic Brass wird seit 1991 weltweit – auch in den Konzertsälen der Metropolen – gefeiert. Wir haben sie mit dem Programm »Delicatessen« eingeladen. Zu erwarten ist ein Feuerwerk der musikalischen Unterhaltung von Telemann, Mozart, Rossini bis Udo Jürgens.

Ganz besonders freue ich mich natürlich auf den erneuten Auftritt von Brigitte Hobmeier, die – musikalisch begleitet – ihren literarischen Abend »Picasso und die Frauen« zeigen wird. Das Wiedersehen mit Peter Bause und Hellena Büttner, die schon so oft in unserem Haus gefeiert wurden, ist immer wieder ein Vergnügen. Sie werden mit Dürrenmatts »Die Physiker« gastieren.

Sie sehen bei diesem kurzen Ausflug in den kommenden Spielplan – es gibt viel zu erleben!

Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen!

Christian Federolf-Kreppel | Theaterdirektor
15. Oktober 2019