52. Spielzeit | 2018/2019
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Grußwort des Theaterleiters
Christian Kreppel am 12. Oktober 2018
Liebe Theater- und Konzertfreunde!

Es gibt nicht viele aktuelle Theaterstücke, die wirklich den Puls der Zeit treffen und wiedergeben, und somit in der Lage sind, das Publikum durch ihre brennende Thematik zu fesseln. Seit Jahren durchsuche ich das Angebot des Sprechtheaters, um ebensolche Texte zu finden und Ihnen in unserem Spielplan, der Jahr für Jahr bis zu 25 Titel anbietet, zu präsentieren.

Ich erinnere: »Verbrennungen« des gebürtigen Libanesen Wajdi Mouawad im Juni 2008 schilderte die packende, im Nahen Osten angesiedelte Familiengeschichte eines Kreislaufs von Leid und Vergeltung. – Bei »Verrücktes Blut« von Nurkan Erpulat und Jens Hillje im März 2013 und Oktober 2014 ging es um das Thema Integration. Es verlegte die Migrationsdebatte ins Klassenzimmer mit türkischen und arabischen Jugendlichen, welche die Lehrerin mit vorgehaltener Waffe zwingt, Schiller zu rezitieren und so dessen idealistische Vorstellungen vom Theater endlich zu begreifen. – Ferdinand von Schirach stellte in seinem ersten Theaterstück »Terror« (Tourneepremiere September 2016) die Frage nach der Würde des Menschen. Darf Leben gegen Leben, gleich in welcher Zahl, abgewogen werden? Welche Gründe kann es geben, um ein Unheil durch ein anderes, vermeintlich kleineres Unheil abzuwehren? Und wer sind die Verantwortlichen? – Ayad Akhtar diskutierte in »Geächtet« (März 2018) anhand aufgeklärter Karrieristen im vermeintlich politisch korrekten Fahrwasser hochaktuelle, brennende Themen der US-amerikanischen Gesellschaft zwischen Patriot Act und Integration, alltäglichem Rassismus und Terrorismus.

Dieses Jahr im Dezember geht es bei Kehlmanns politisch brennend aktuellem, eine diffuse Beunruhigung auslösendem Stück »Heilig Abend« nicht in einer einzigen Minute um das im Titel suggerierte besinnliche Friedensfest. Es ist der 24. Dezember, halb elf Uhr abends. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt: Nur genau 90 Minuten hat der Verhörspezialist Thomas Zeit, um von einer Frau namens Judith zu erfahren, ob sie tatsächlich, wie er vermutet, um Mitternacht einen – gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Peter geplanten – terroristischen Anschlag verüben will. In dieser spannenden Psycho-Studie spielt der Bestsellerautor Kehlmann durch die scharfkantige Figurenzeichnung und die wechselnde Beziehungsdynamik geschickt mit den Erwartungen und Ängsten der Zuschauer. Die Besetzung ist prominent: Jacqueline Macaulay ist dem Schweinfurter Publikum durch ihre packende Interpretation der Titelrolle in Hauptmanns »Rose Bernd« für die Ruhrfestspiele Recklinghausen (November 2015) in Erinnerung. Fünf Jahre lang stand der durch seine Film- und Fernsehrollen einer breiten Öffentlichkeit bekannt gewordene Wanja Mues in New York auf den Brettern, die die Welt bedeuten, bevor er 2007 sein deutsches Theaterdebüt gab. Die mit Mues, Alexander Schröder und Ronald Zehrfeld besetzte Uraufführung von Morten Feldmanns »Männergespräche« wurde am Renaissance-Theater Berlin und am St. Pauli-Theater Hamburg gezeigt. Seit 2013 spielt Mues auch an den Hamburger Kammerspielen. Apropos prominente Besetzung. Ich freue mich als geborener Wiener sehr darauf den Publikumsliebling Harald Krassnitzer begrüßen zu dürfen. In »Wiener Melange« liest er Wiener G’schichten zum Nachdenken und Schmunzeln u.a. von H.C. Artmann, Thomas Bernhard, Alfred Polgar und Helmut Qualtinger. Die Lust am sprachlichen Florett-Spiel und der typisch Wienerischen Klangfarbe ist dem Österreicher und Wiener Wahlverwandten Krassnitzer in die Wiege gelegt: Kratzig-garstig-grantlig mit der nötigen Prise Hans-Moser-Nostalgie oder dem leisen Hauch der Melancholie, der ebenso zu diesem europäischen Schmelztiegel Wien gehört, präsentiert er die hintergründigen Texte.

Ein ganz besonderer Höhepunkt ist für mich auch das Gastspiel »FALCO – Das Musical« – vielleicht auch deshalb, weil ich den später als Falco berühmt gewordenen Hans Hölzel bei seinen ersten künstlerischen Gehversuchen in Wien erleben konnte. Mich fasziniert an dem packenden Musical-Abend der Gedanke, sich der Biografie der Kunstfigur Falco anzunähern, dabei aber auch die Abgründe und den tiefen Fall des Menschen Hans Hölzel zu zeigen. Noch nie war man der größten Ikone der österreichischen Musikszene seit ihrem Tod am 06. Februar 1998 so nah wie in dieser Neu-Inszenierung von Regisseur Peter Rein. Schrill, dekadent, glamourös und völlig verrückt ist »FALCO – Das Musical« ein unvergessliches Showerlebnis der Extraklasse. Es ist zugleich eine tiefe Verbeugung vor und eine leidenschaftliche Hommage an Falcos Leben und Schaffen. Lassen Sie sich diesen Abend unter keinen Umständen entgehen!

Als Opernliebhaber möchte ich zum Schluss unbedingt auf die Ende Januar im Programm stehende Neuinszenierung des Landestheaters Detmold von »Faust (Margarethe)« anlässlich des 200. Geburtstages von Charles Gounod hinweisen. Aus Detmold wurden uns schon viele bejubelte Opernerlebnisse beschert, ich denke da an Wagners »Rheingold« und »Die Walküre« oder »Salome« und »Elektra« von Richard Strauss. Dem Regisseur Jan Eßinger gelingt eine »packende, sich zum Finale hin immer mehr an Dramatik steigernde, Inszenierung dieser französischen Oper mit teilweise beklemmenden Bildern und visuellen Deutungen. In alledem wussten Detmolds Gesangssolisten zu punkten und das Premierenpublikum zu begeistern.« (Opernmagazin)

Der Spielplan für Dezember und Januar bietet natürlich viele weitere Höhepunkte aller Genres, die ich Ihnen unbedingt ans Herz legen möchte. Vielleicht sehen wir uns auch am 31. Dezember um 15 oder 19 Uhr bei einem idealen musikalischen Jahresausklang mit »String of Pearls«, bei dem Sie in Ohrwürmern schwelgen können – aber auch der Humor nicht zu kurz kommt.

Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen!

Ihr Christian Kreppel | Theaterdirektor
12. Oktober 2018